30. January, 2008
Lagom oder der Homo Suedicus Teil I
“Lagom” ist ein schönes schlichtes schwedisches Wort. Es hat keine eindeutige Entsprechung im Deutschen. Es ist nicht nur ein Wort, es ist eine Einstellung. “Gerade richtig“ - nicht zuviel und nicht zu wenig, das ist lagom.
Ein Freund sagte, Schweden ist das Land des Mittelmasses. Sie spielen alle mit und wollen gleicher als gleich sein und heimlich schauen sie, wer der König der Gleichen ist. Freund, dir widme ich meine Gedanke und das Lied.
Ohne Personalnummer kann man kein Schwede sein. Zehn Zahlen, die ein Leben ausmachen. In jeder Situation, wo der Staat auf den Plan tritt, eine Bank oder Versicherung die Hand drauf hat, da wird sie erfasst. Geburtstag, -Jahr, Geschlecht und bis 1990 das Wohngebiet oder die Auskunft über die Immigration. Daten sammeln sich, wie Lebensjahre. Was bei Deutschen den faden Geschmack von totaler Erfassung auslöst, lässt den Schweden kalt. Kein Misstrauen gegen Staat und König ist zu merken.
Der Homo Suedicus ist ein Mensch ohne Familiennamen. Jedenfalls fühlt es sich so an. Hat man nicht grad mit hohen Würdenträgern zu tun, nutz man fröhlich den Vornamen und ein herzliches Du. Bei knapp 9 Millionen Landleuten ist das Merken der Vornamen auch nicht so schwer.
Wer einen Schweden verschrecken möchte, der sage ihm einfach mal geradeheraus seine Meinung und Kritikpunkte. Der gemeine Schwede ist nicht direkt und will um keinen Preis auffallen. Er ist ein Harmonieschwein und verpackt seine Kritik in Erörterungen und Beispielen, wie man die Sichtweise ändern könnte. Diese Botschaft kann ein deutsches Ohr nur schwer wahrnehmen, es säuselt zu sehr nach Konsens und nettem Austausch.
Freizeit ist ein Heiligtum. Auch hier findet sich das Gleichheitsprinzip wieder. Elitäre Sportarten, wie Golf & Tennis, werden in lockerer Kleidung und von Jedermann betrieben. Zufluchtstellen bieten die Wochenendhäuschen auf dem Land, im Wald und auf den Schären. Es stellt sich durchaus so da, dass eine jede schwedische Familie so eine Oase besitzt. Schiebt ein Grashalm sein scheues Köpfchen durch die Erdkrume, droht ihm alsbald der finale Schnitt.
Ab dem ersten Sonnenstrahl summt und brummt der Aufsitzrasenmäher durch die schwedische Nation. Er wird auch zu kleinen Ausflügen als Verkehrsmittel bis zum nahegelegenen Landhandel genutzt. An dieser Stelle mache ich einen Punkt und werde mich in den folgenden Beiträgen nur noch über das Bester aller schwedischen Exportprodukte auslassen – die MUSIK!
PS: Vielleicht machen ich auch weiter, man weiß ja nie! Allein schon, weil mir die Lieder von Pelle Carlberg so gefallen.



