31. January, 2008

Ein Streifen Grün

Ich wollte nichts anderes als zurückkehren in mein geliebtes Friedenau …

Zu diesem Zwecke war ich recht früh aufgestanden. Mein letzter Blick auf die Lüneburger Heide entglitt ins Dunkel. Aber es gibt eben nur diesen einen Zug, der fährt von Uelzen nach Berlin in nur anderthalb Stunden ohne Umsteigen, für nur neununddreisig Euro.

Abfahrt 7:56 Uhr.

 

Das Gepäck, der Hund, mein Pappbecher mit Kaffee und ich ergatterten einen Fensterplatz. Ich hatte soeben das Bahnmagazin durchgelesen und der Zug machte seinen ersten Zwischenstop in Salzwedel. Eine freundliche Stimme hallt aus dem Lautsprecher, doch statt der Wegbeschreibungen zum nächsten Bahnsteig teile diese ohne Umschweife mit: Die Lock werde abgehängt, würde einen anderen Zug nach Salzwedel zurückschleppen und dann wieder angehängt. Das ganze würde eine Stunde dauern.

Was nun? Der Hund gerade eingeschlafen, das Bahnmagazin durchgelesen, mein Buch an ner dichterischen Schwachstelle und ich in Salzwedel. Mein hilfesuchender Blick zu Mitreisenden erfasste, das scheinbar jeder irgendwem per Handy mitteilen mußte, wo er sei und warum er nicht wie geplant alsbald Berlin erreichen würde. Also tat ich dasselbe und rief eine Freundin an. Die mich allerdings gar nicht vermisste und so erstarb das Gespräch recht schnell.

Was nun? Ich weckte also den Hund und zwang ihn mit mir auf dem Bahnhof spazieren zu gehen. Auf der Suche nach einem Streifen Grün für den Hund landete ich am Ende auf dem Bahnhofsvorplatz von Salzwedel, umrundete den Springbrunnen, betrachtete die moderne Holzskulptur vor dem eon-Gebäude, die Auslage am Kiosk.

Zurück auf meinem Fensterplatz, es war mehr als eine Stunde vergangen, die Lock nicht zurück, kam erneut eine freundliche Stimme aus dem Lautsprecher: Werte Reisende, um Ihnen die Wartezeit zu verkürzen …. kurz dachte ich, Oh: jetzt gibt es Gesellschftsspiele! … doch die Dame vollendete den Satz nie.

Weitere fünfzehn Minuten später setzte sich der Zug wieder in Bewegung, der Schaffner händigte jedem Reisenden einen Gutschein über 20% des Fahrpreises aus und mit anderthalb Stunden Verspätung stand ich vor meiner Haustür in Friedenau.

2 Kommentare to “Ein Streifen Grün”

  • Wie schön, dass Du heile zu Hause angekommen bist. Wen stört schon da die Verspätung. Ländliche Bahnhöfe in gediegenem Stil mit einem Hauch moderner Kunstobjekte, in denen öffentliche Mittel ihren Weg gefunden haben, haben doch auch ihren Reiz.

  • Es gibt Grünstreifen in Salzwedel und freundliche Stimmen aus Bahnlautsprechern….!!!! Da wurde Dank deines Reiseberichts aber gründlich mit zwei in meinem Kopf sehr verfestigten Vorurteilen aufgeräumt! Ich hatte nämlich ehrlich gesagt beides bisher für ein Gerücht gehalten!

    Schön, dass ihr beiden wieder da seid!

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