22. February, 2008

Mumins, Tango, Melancholie und soviel Wald und Wasser

Finnland ist besonders. Anders als die andere skandinavischen Länder.
Finnland muss man selbst erleben, genau wie die Finnen und ihre extrem schwere Sprache. Am schmalen Streifen der Ostküste kann man sich noch gut mit Schwedisch über den Tag retten und Nachts sind eh alle Katzen grau blau.
Russisch kann auch ganz nützlich sein, aber auch dazu führen, dass man eins auf die Mütze bekommt. Liegt wohl am letzten Finnisch-Russisch Krieg, der eine Menge Opfer an Mensch, Tier und Seele gefordert hat. In einigen Gebieten passiert das auch leicht mal mit Deutsch - die abziehenden deutschen Truppe im WWII habe große Teile Lapplands zerstört.

Die lange Geschichte meinte es nicht immer gut mit den Finnen. Unter der Knute der beiden Großmächte Schweden und Russland wurden die Grenzen Finnlands hin und her verschoben, meist ohne Rücksicht auf die siedelnen Bauern und Waldarbeiter.

Ich weiß nicht, ob die bewegte Geschichte, die dichten Wälder und die verzauberten Seen- und Moorgebiete die melancholische Volksseele prägten. Man sagt den Finnen nach, schweigsam, traurig und trinkfest zu sein. Mhhh, ja, dass mag stimmen.

Sehr aussagekräftig fand ich immer die Wahl der Namen für die dunklen Monate (ja ja, Sprachentwicklung, Mythologie usw.): “Lokakuu” - Oktober heisst wörtlich übersetzt Matschmond oder Drecksmonat, “Marraskuu” - November bedeutet Todesmond oder toter Monat, etwas schmeichelnder ist “Joulukuu”- Dezember, der heisst, wie das Fest - Weihnachtsmond.

Einer meiner Lieblingsautoren ist Arto Paasilinna, weil er vor subtilem skurilem Humor nur so platzt. Allein die Wahl der Büchertitel sagt vieles aus: “Der wunderbare Massenselbstmord”, “Der Sommer der lachenden Kühe” usw. - Paasilinna mischt hintergründigen Humor, nordische Mythologie, Fantasie und reale Welt mit der Beschreibung seiner Heimat und den Eigenheiten seiner Landsleute.

Bei einer Sache lassen es die Finnen aber richtig krachen - Musik.
Egal welche Richtung, es geht immer rund. Es wird getanzt, gesungen, geheult und geküsst.
Mal abgesehen von den neuen Exportschalgern, wie HIM, sämtliche Metallbands oder Elektronikklangkünstler, stehen Tango und Humppa im Lichtkegel des finnischen Musikherzens.
Viele Bands kann man auch in Deutschland erleben, aber es ist was ganz eigenes die Leute in heimischer Umgebung auf einem Festival zu erleben.

Ach ja, die Mumins - die fehlen noch.
Mumins sehen aus wie Nilpferde, wohnen in einem Turm, sind Trolle und haben ziemlich viele Freunde, Bekannte und Kumpels. Den Muminkosmos zu beschreiben, fehlt mir der Platz im Blog. Einfach lesen und bitte nicht die bunten japanischen Comics ansehen - grusselig, wo bleibt da die Fantasie?

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