4. March, 2008
Verdammt viel Gesoffen, verdammt viel Geraucht …
…, verdammt noch mal, dass haben wir gebraucht!
Meine Kondition zwingt es in die Knie, die Pharmaindustrie verdient an Kopfschmerztabletten und mein Bankkonto heult mit dem Dispo um die Wette.
Amüsement muss nicht viel kosten – das stimmt.
Grundausstattung ist ein guter Wein, bevorzug aus dem Keller anderer, ein Buch, ein gemütlicher Sessel oder gleich das Bett. Weitere Zutaten können Schnittchen, Gurken, Cracker, Käse oder diese leckeren österreichischen Kaminwürstchen sein. Genießen sollte man es allein oder Lesezirkel bilden, wo nicht gequatscht wird. Na ja, man kann auch in die Wanne, wenn man eine hat. Vorteil, da passt kein vollständiger Lesezirkel rein.
Zweite Variante, ich sorge dafür, dass die Mitbewohner von der Hazienda verschwinden. Sich mit Ihresgleichen im Kegelklub oder der Ornithologische Gesellschaft vergnügen. Dann drehe ich die Stereoanlage auf volles Volumen und rocke durchs 24 Zimmernichts. Flitze nur mit einer Unterhose auf dem Kopf den 200 Meter langen Flur runter. Brülle und skandiere Textfragmente im übelsten Englisch mit und fühle mich sauwohl. – Ich nehme an, dass mein Gummibaum nur deshalb so hoch wächst, damit er das Elend am Boden nicht miterleben muss. Können sich Grünpflanzen wirklich fremdschämen?
Wenn Unterhaltung mehr kosten darf, dann roll ich meine Penunse mit einem Einweckgummi zusammen, schnapp das Bunny und zieh um den Block. Was bedeutet, dass ich die heiligen Grenzen von Friedenau überschreiten muss. U-Bahn und Prollraupe am Wochenende zu nutzen, ist definitiv eine Grenzerfahrung für Körper, Geist und guten Geschmack.
Die perfekte Verbindung von Vodka, Tattoos, Rock’n’Roll, scharfen Bräuten und Typen in vollem Wichs findet man in einschlägigen Vergnügungslokalen dieser Stadt. Und da liegt schon die Krux – man muss eine Entscheidung treffen. Will man Surf oder Balkanbeat? Will man seine Hüfte im Rhythmus wiegen oder nur den Tresen festhalten?
Allein der Stapel der zurückgelassenen Klamotten im Ankleidezimmer ist immens. Das Chaos ist am folgenden Tag auch eine nette Dreingabe für den fetten schwarzen Kater, der auf der Bettkante mauzt.
Deshalb sollte man unter keinen Umständen das Bett am Sonntag verlassen. Einfach den Zimmerkellner rufen und Katerfrühstück ans Bett ordern.
Weshalb mir diese Gedanken heute kommen, ganz einfach – ich verdaue noch das Wochenende und sinne mir neue Bespaßung für das Nahende aus. In der Zwischenzeit nutze ich die erste und zweite Variante und erscheine auf der Maloche nur noch mit Sonnebrille. Wie die anderen Sklaven im Bergwerk auch.




7 Kommentare to “Verdammt viel Gesoffen, verdammt viel Geraucht …”
Ach, aber nichts ist schöner als ein im Bett verbrachter Sonntag, wenn man weiß warum man da rumsumpft. Wenn man trotz des flauen Gefühls im Magen vor sich hin lächelt, wenn die Gedanken die letzte Nacht streifen.
bunny am 4. March, 2008 um 23:57
WOW - mein Kater ist da von härterer Gangart. Der fährt gern Kettenkarussel und mauzt in sehr hohen Frequenzen. Das macht die kleine Drecksau gern den ganzen Sonntag durch. Aber nur, wenn ich Tequila trinken, den mag das Katzenvieh wohl nicht. Gut zu wissen.
murmel am 5. March, 2008 um 11:20
ihr seid Tiere…
Morcap am 6. March, 2008 um 00:13
@morcap: Weshalb, weil wir auf allen Vieren durch das dicke B. krauchen oder weil Neid, der Antrieb deiner Worte ist?
murmel am 6. March, 2008 um 17:49
NEID, weil es sich auf allen Vieren so ursprünglich anfühlt. Ich muss zu Euch! Wir könnten Erfahrungen im Tierwerdungsprozess austauschen… schließlich trennen uns 250 km, hier unten herrschen ganz andere klimatische Bedingungen - ganz andere Wege der Entmenschung werden hier gegangen… wir alle könten viel lernen.
Morcap am 6. March, 2008 um 22:49
Dann auf zur Vereinigung des Tierkreises!
Hier muss keiner neidisch zurückbleiben!
Die Tränken sind voll und die Raufen nicht minder!
Willkommen im Biotop der Großstadt!
bunny am 7. March, 2008 um 10:13
Zu Studienzwecken kommen wir gern auch in deine Region des nächtlichen Grauens. Wir sind begnadet in der Anpassung an feindliches Gelände. Trinken uns tapfer durch die Kneipen und meiden keine Rauferei. Kollektiver Wahnsinn wird frei Haus geliefert und Froh- Leichtsinn sind zwei unserer Vornamen.
murmel am 7. March, 2008 um 12:52