12. July, 2008
Und auf einmal steht es neben dir
Und auf einmal merkst du äußerlich:
Wieviel Kummer zu dir kam,
Wieviel Freundschaft leise von dir wich,
Alles Lachen von dir nahm.
Fragst verwundert in die Tage.
Doch die Tage hallen leer.
Dann verkümmert Deine Klage …
Du fragst niemanden mehr.
Lernst es endlich, dich zu fügen,
Von den Sorgen gezähmt.
Willst dich selber nicht belügen
Und erstickst, was dich grämt.
Sinnlos, arm erscheint das Leben dir,
Längst zu lang ausgedehnt. – – –
Und auf einmal – –: Steht es neben dir,
An dich angelehnt – –
Was?
Das, was du so lang ersehnt.
Joachim Ringelnatz: Sämtliche Gedichte. Zürich: Diogenes 1997




2 Kommentare to “Und auf einmal steht es neben dir”
Der Ringelnatz,der ist so ein Schatz,er hat eine feine Poesie und manchmal sogar eine sehr subtile Ironie.Er liest sich heiter und bringt einem im Denken weiter.
papa am 13. July, 2008 um 12:53
Dem schließe ich mich bedingungslos an.
Morcap am 17. July, 2008 um 23:57