14. October, 2008
Die blaue Lagune des Abendschwimmens

Der Charme eines städtischen Schwimmbades lässt sich zu meist nur in einer großen Gruppe dahin gleitender Leiber erschließen. Mal davon abgesehen, dass der Schwimmunterricht der Kindheit einige Beulen in die Psyche gedrückt hat. Noch heute versuche ich zu erkunden, ob sich das Wasser wirklich rot verfärbt, wenn jemand reinpinkelt.
Der Zentralbeschluss zur Körperertüchtigung des Blogkollektivs forderte gestern erste Opfer. Um den Geldbeutel zu schonen, wurde das Abendschwimmen ab 20 Uhr gewählt. Schon der Blick zum Kassenhäuschen mit Kleinstwarteschlange versprach Schulschwimmatmosphäre. Das städtische Volksbad Wilmersdorf, in dessen Dunstkreis die friedenauer Schwimmgemeinde fällt, bietet nur ein großes und ein Nichtschwimmerbecken. So bleibt es selbst der dumpfesten Fantasie nicht verborgen, dass sich ein Schauspiel der Sonderklasse ereignen wird, wenn all die Menschen in die Pfütze springen.
Gedacht, gezahlt und umgezogen.
Bei Eintritt in den Badebereich bot sich das Wunschbild eines jeden verhungerten Hais. Menschleiber in den verschieden Ausformungen tummelten sich im Becken. Beaufsichtigt nur von zwei Herren in weiß. Zwei Probleme traten auf, zum einen welche Bahn sollte gewählt werden ohne umgeschwommen zu werden und zweitens, wie erkenne ich die Lücken ohne Brille und blind wie ein Maulwurf?
Es gab keine Lösung. Im kühlen Nass angekommen, hieß es nur noch „Schwimm Forest, schwimm …!“. Mit einer Sicht unter zwanzig Zentimetern schwamm ich um mein kleines Leben oder besser, um meine körperliche Unversehrtheit. Einmal anstoßen = ein blauen Fleck. Einmal überschwommen zu werden = Wasser in der Nase.
Ach ja, grafisch aufbereiten dürfte mein Schwimmkurs einem Bild aus der Chaostheorie geglichen haben. Elementarteilchen auf der Flucht.
Spaß macht es trotzdem, nur überlegen wir früher oder später zu gehen. Dem Schwimmverkehr bin ich nicht gewachsen. Da gelten keine Regeln und es handelt sich um eine Abart des Darwinismus, dem ich mich nicht stellen möchte.
Ach ja, ich weiß immer noch nicht, ob sich das Wasser verfärbt.




1 Kommentar to “Die blaue Lagune des Abendschwimmens”
Nach langjährigen Selbstversuchen als Poolboy und glücklicher Nuzter eines hauseigenen Freiluftpools kann ich bestätigen: dass Wasser färbt sich und der intensive Geruch von Chlor entwickelt sich nur nur die aureichende Zugabe von Harnsäure…. Glück auf.
grafzahl am 15. October, 2008 um 08:14