10. January, 2009
Von Balito heimwärts nach Johannesburg

Ein schlagendes Argument für eine verfrühte Heimreise kann zum Beispiel ein Dutzend lauter und raumeinnehmender Russen in einem verträumten kleinen Hotel sein, oder aber 35 Grad in feinster und schweißtreibendster Sommerhitze, wobei die allabendlichen Gewitter einer Operninszenierung glichen. An einem Abend stoppten und zählten wir die Blitzeinschläge pro Minute und kamen auf die stattliche Zahl von 57.
Bei uns trafen beide Möglichkeiten ein und so traten wir die Reise vom Süden in den Norden etwas früher an, aber nicht das jetzt einer denkt in Johannesburg wäre es kälter - nein, nur nicht ganz so luftfeucht (wobei grad das nächste Nachmittagsgewitter aufzieht - juhu). Der Weg führte, wie bei der ersten Reise schon durch eine beeindruckende Landschaft und das „Weltnaturerbe“ die Draakensberge, die wie aus einem Western entliehen aussahen und sich über hunderte Kilometer hinzogen. Bei ihrem Anblick und dem satten Weideland sah Mensch vorm inneren Auge, die Planenwagen der ersten Siedler vorbeiziehen und ahnte nur ansatzweise, wie kräftezehrend eines solche Reise von Süd nach Nord für damalige Verhältnisse gewesen sein muß. Wir brauchten ca. sechs Stunden mit Pipi- und Glotzpause und die Ahnen etwas mehr als einen Monat, dafür durften sie Pipi, wann immer sie wollten oder der Löwe mal grad Lust auf sie hatte.

Auf der Fahrt wurde alles geboten, was sich das höhere Wesen an Natur und Wetterschauspiel ausdenken kann. Punktueller Regen, der wie aus einem Eimer senkrecht auf die Erde brach, Blitze die hellleuchtend Kühe zum tanzen brachten, knallige Sonne und schönster handgemachter Nachmittagsstausmog in Joburg.

Der innere Stadtbezirk war nur als grauer Umriss zu erkennen und die unendlichen Vororte, Elendsiedlungen, Neubesiedlungen und das wunderschöne Grün der Stadt schoben sich nur langsam ins Bild.
Aber nun sind wir wieder da und morgen dann mit einheimischer Führung in Pretoria unterwegs, damit ich noch etwas über die historischen Zusammenhänge lernen kann oder auch, dass erst die Historie kommt und dann das Bier.




