3. August, 2009

Am Morgen

Vier Stationen hatte sie Vorsprung, dennoch war sie nicht vollendet in ihrer Morgentoilette. Auf dem Notsitz an der Tür saß sie. Die Tasche auf den Knien, den Blick in den Handspiegel gerichtet. Sorgsam zog sie Konturen, puderte einen rosigen Ton auf fahle müde Haut, rötete Lippen. Gemeinsam glitten wir sechs Stationen durch die Tunnelwelt, meine Augen auf sie und ihre auf sich selbst.
Ihr Haar zog sie glatt, die Bluse. Verstaute ihr Hab und Gut, ihre verschlafene Nacht. Hätte ich die Wandlung nicht begleitet, sie entzöge sich meiner Aufmerksamkeit, unscheinbar und uniform saß sie nun an der Tür. Mich spuckte der Morgen auf den Bahnsteig, sie folgte nicht.

1 Kommentar to “Am Morgen”

  • so ist das Leben…die S-Bahn-Erfahrungen sind immer einmalig

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