3. August, 2009

Am Morgen

Vier Stationen hatte sie Vorsprung, dennoch war sie nicht vollendet in ihrer Morgentoilette. Auf dem Notsitz an der Tür saß sie. Die Tasche auf den Knien, den Blick in den Handspiegel gerichtet. Sorgsam zog sie Konturen, puderte einen rosigen Ton auf fahle müde Haut, rötete Lippen. Gemeinsam glitten wir sechs Stationen durch die Tunnelwelt, meine [...]

26. July, 2009

Bleiben Sie nicht stehn!

Da stehst’e, glotzt, starrst, kommst nicht weiter. Angekommen bist’e nirgens. Anschluß verpasst, kurz ausgesetzt, Rücklichter so schön. Der Wurm frißt dich von innen. Gedanken retten sich kaum. Schreiben lässt’e. Das Blog hält still. Machst doch eh waste willst. Mal seh’n was kommt.

24. June, 2009

Stadtindianer

Der macht gleich nen offenes Feuer, baut ne Schwitzhütte & nen Wasserfilter aus Kiesel, denk ich mir und hoffe die Schaffnerin hält den Nadelstreifenmann von Stadtindianertaten ab. Er bildet sich nur, denke ich und schiele unverhohlen auf seinen Bildschirm. Er studiert sich hartnäckig durch den Nehberg Klassiker der Überlebensfibel in der rauen Wildnis. Ach so [...]

12. May, 2009

Es ist wieder so weit …

Die Zeit der Wandertage hat begonnen. Verständlich, der Bodenfrost ist überwunden, die Sonne lockt und der marode Schulbau kann keine schimmlige Heimstatt sein. So spuckt der öffentliche Nahverkehr zur morgendlichen Stunde Kinder, Jungmenschen und Lehrpersonal auf die Bahnsteige und in die Landschaft. Der organisch erzeugte Lärmpegel orientiert sich am Alter und wird beim Wechsel zum [...]

30. March, 2009

Bücher auf Rädern

Du sollst Bücher nicht nach ihrem Buchdeckel beurteilen, heißt es. Du sollst den Leser nicht nach seinem Buchdeckel beurteilen, wäre die sinnige Erweiterung im öffentlichen Nahverkehr. Halte ich der BVG nutzenden Bevölkerung zugute, dass sie wenigstens zu einem geringen Prozentsatz keine Großbuchstabenzeitung liest, hört das Verständnis genau dort auch schon wieder auf.
„Ein wenig Rache …“ verspricht [...]

17. March, 2009

Die vier Ws

Wie kam es dazu, dass die Vögel vor meinem Fenster nun geschlossen in einer Blaskapelle spielten? Was tat ich der Natur Niederes an, das sie mich mit morgendlichem Flutlicht weckte? Warum animierte die Mutter ihre Brut Nachbarskinder vom Hof aus anzuschreien? Weshalb verweigerte sich die hauseigene Milchkuh mein morgendliches Gebräu zu erhellen?
Fragen, die sich stellen [...]

20. January, 2009

Diese Stimmen, diese Bilder, diese Stadt

… ich bin angekommen. Ja definitiv, ich bin auf dem harten Boden der berliner Realität aufgeschlagen. So eine Urlaubstimmung kann ja auch nicht ewig halten.
Insgeheim habe ich sie vermiss, die Stimmen und Bilder, die mich durch den Alltag treiben. Wo bekommt mensch sonst unter der morgendlichen Dusche eine 6,9 Literflasche Mariacron angeboten? Oder meinte die [...]

18. December, 2008

Dieser Wagen ist ungeheizt

Vereinzelte Ausfälle dieser Art kann ich verstehen, so ein kleiner technischer Defekt kommt in der besten Familie vor, nur häufen sich die freundlich grünen Zettel an den Innentüren der S-Bahn. Vor Jahren erklärte ich mir die Kälte in ICE Zügen mit dem Versuch der Bahn, die Fahrgäste so lethargisch wie möglich zu gestalten und sie [...]

12. December, 2008

Damals und heute … Plastik- vs. Papiertüte

In der Schulzeit war es ein Zeichen von eigenwilligem Status mit einer Plastiktüte aus dem Westen in die Lehranstalt zu trotten. Bewunderung, Neid, unliebsame Lehrergespräche und das Gefühl von Anderssein dürften die Mitschüler ereilt haben, die diesem Ritual frönten.
So eine bunte Werbetüte hatte einen höheren Stellewert als ein Turnbeutel oder ein Ranzen (außer dieser war [...]

27. November, 2008

Die Zeichen der letzten Nacht

Gegenüber sitzt eine Frau, die sich sehr bedacht kleidet. Jedes Detail stimmt, die Farben sind abgestimmt, herbstlich erdfarben. Sie hat wache Augen und dennoch etwas irritiert. Über ihr Auge, die linke Wange und am Kinn verlaufe kleine Gräben, Furchen, Falten. Es ist die Zeichnung ihres Nachtlagers. Beim nachzeichnen der Linien werde ich erwischt und sie [...]