6. July, 2009

Solanum dulcamara

Bittersüß der Nachtschatten,
der es lähmte.
Bedeckt durchs Unterholz
aus dem’s gelockt.
Gierte nach den reifen Früchten,
die’s so entrückt,
auf den Boden niederdrückt.
Aufgequollen der pelz’ge Körper,
der sich nun danieder streckt.
Fragt sich beim rüber gleiten,
wofür bin ich so elendig verreckt.

19. February, 2009

Zeitgenossen haufenweise

Es ist nicht leicht, sie ohne Haß zu schildern,
und ganz unmöglich geht es ohne Hohn.
Sie haben Köpfe wie auf Abziehbildern
und, wo das Herz sein müßte, Telefon.
Sie wissen ganz genau, daß Kreise rund sind
und Invalidenbeine nur aus Holz.
Sie sprechen fließend, und aus diesem Grund sind
sie Tag und Nacht - auch sonntags - auf sich stolz.
In ihren [...]

16. December, 2008

Mascha Kaléko – Twitter - Gebrauchsdichtung

Beim Durchstöbern meines Bücherschrankes fiel mir seid langem wieder ein Buch von Mascha Kaléko in die lesehungrigen Hände. In den 30er Jahren wurde sie für ihren sachlichen, ironischen, zu Teilen lakonischen und direkten Poesiestil gefeiert. Der so Vielen aus dem gebeutelten Großstädterherz sprach und durch ein Augenzwinkern charmant an die eigene Nase fassen ließ.
Beim Lesen [...]

23. November, 2008

Lyrische Blogfront - Das Zimmer im Turm…

Lesen Sie weiter, bleiben Sie kurz stehn und dann zur Blogfrontgehn:
Das Zimmer im Turm…
Ich tanze nackt. Der Masterausgang blinkt
zu dichten BigBeat-Mantras in die Nacht.
Das Pulver ist sehr stark. Ein Schwein versinkt
im Teppich und der Couchtisch kracht [...]

18. November, 2008

Hafenkneipe

In der Kneipe ‘Zum Südwester’
Sitzt der Bruder mit der Schwester
Hand in Hand.
Zwar der Bruder ist kein Bruder,
Doch die Schwester ist ein Luder
Und das braune Mädchen stammt aus Feuerland.
In der Kneipe ‘Zum Südwester’
Ballt sich manchmal eine Hand,
Knallt ein Möbel an die Wand.
Doch in jener selben Schenke
Schäumt um einfache Getränke
Schwer erkämpftes Seemannsglück.
Die Matrosen kommen, gehen.
Alles lebt vom [...]

4. November, 2008

Elegie (1) - Karl Mickel

Frühwind fällt mit plötzlichem Gefälle
Die Zeitungsfrau tritt über ihre Schwelle
In einer Stunde tritt sie die Wahrheit breit
Von Mitternacht zu Null Uhr ist unsre Zeit
(Unerhörte Klagen - Deutsche Elegien - Insel Verlag)

3. November, 2008

Das Blog zur Förderung der Lyrik im Alltag

oder kurz die Lyrische Blogfront schmettert heute das Lied der Freiheit.  Kraftvoll, rotzig und direkt ins Hirn und Herz. Los, Leute geht hin und seht selbst!

22. September, 2008

Knietief im Leben - Lyrische Blogfront

An machen Tagen, wenn ich mir selbst kein Bild und keine Worte von mir machen kann, lese ich die Lyrik des Herrn Paul Laub. Mal ist er leise, zart und säuselt. Mal rotzt er es raus, schreit, brüllt und tobt. Mal quillt er über von Gefühlen, Bildern und Momenten.
Ich danke ihm dafür.
Was sonst noch passierte, [...]

7. August, 2008

Kuttel Daddeldu - Zum 125. Geburtstag von Joachim Ringelnatz

Seemannsgedanken übers Ersaufen
Ich sterbe. Du stirbst. Er stirbt.
Viel schlimmer ist, wenn ein volles Faß verdirbt.
Aber auch wir wollen erst ausgetrunken sein.
Besauft euch beizeiten.
Alle Flüssigkeiten
Finden sich wieder ins Meer hinein,
Wo wir den Schwämmen gleich sind,
Wo uns nichts gebricht,
Weil wir weich sind.
Und wenn man in eine Leiche sticht:
Sie fühlt es nicht.
Wird mich nie mehr acht Glasen wecken,
Will [...]

24. July, 2008

Gottfried Benn - Blaue Stunde

I
Ich trete in die dunkelblaue Stunde -
da ist der Flur, die Kette schließt sich zu
und nun im Raum ein Rot auf einem Munde
und eine Schale später Rosen - du!
Wir wissen beide, jene Worte,
die jeder oft zu anderen sprach und trug,
sind zwischen uns wie nichts und fehl am Orte:
Dies ist das Ganze und der letzte Zug.
Das [...]