Das Horsttier

Lautaufnahme und Informationsverarbeitung gehen nicht allzu oft Hand in Hand. Aber solchen Unzulänglichkeiten verdankt die Welt, die Endeckung unzähliger Tierarten. Das Horsttier zum Bespiel.
Dieser scheue Gesell versteckte sich Jahrtausende lang in den Ecken der Geschichte. Zwischen Gemetzel, Löwenfütterung und dem Ding mit der Erde als Scheibe, schlich gemächlich das Horsttier seiner Wege. Fraß seltene Pflanzenarten und latsche die rote Liste der bedrohten Tierarten kurz und klein.

Heute Morgen gelang es nun das Horsttier erstmalig zu erspähen und einzukreisen. Nicht etwa mit einem Lasso, einem Rudel fixer Cowboys oder mit einem Hochseetreibnetz – Nein, das Horsttier kommuniziert durchs Internet. Keine direkte Eins zu Eins Kommunikation, keine amüsante Anekdote oder ein dezenter und wissenschaftlich fundierter Wikipediahinweis. Das Horsttier lebt zwischen den Zeilen, in Unterhaltungen, Wortfetzen und es pokert hoch. Es setzt auf das Überhören und darauf, dass der Bruch zwischen den Welten nicht aufblitzt.

Die kommunikative Experimentieranordnug zur Aufdeckung des Horsttiers folgt nun in wenigen und unspektakulären Sätzen.

Emelie: Schau bitte auf die schwedischen Seiten der Sommerhäuser, die deutschen Anbieter sind immer ohne Horsttiere.
Murmel: Ja, mach ich nachher.
Emelie: Wirklich machen, das ist blöd, wenn es ohne Horsttiere ist.
Murmel: Ja, ja … Mist, was ist dieses Horsttier eigentlich?

Danach trat das Schweigen der Erkenntnis ein.
Ein Horsttier entsteht erst durch eine tektonische Lautverschiebung in einem Resonanzraum von 17,5 Quadratmetern. Dabei hat der Empfänge starr seine Augen auf einen schwarzen Hund zu richten, der Kekse frisst und mit 99% seiner Gehirnzellen an Kaffee zu denken. Das Tragen einer Schlafanzugshose und eine zerzauste Frisur tragen ebenfalls und erheblich zum besseren Frequenzempfang bei.

Sollten die Parameter in der Versuchsanordnung nicht stimmen, dann bleibt es verborgen und das Horsttier tarnt sich in der plumpen Worthülse Haustier.
Versuche den schwarzen Hund auf Horst umzutaufen schlagen fehl und beleidigen nur das zarte und scheue Horsttier. Danach wird mensch es nie wieder erfahren können.
Also, Tierschutz geht uns alle an – Einhorn war gestern, Horsttier ist heute!

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