Erlebnispark Bahnhof

ÖPNV bildet im Stil der BILD Zeitung. Kurze Hauptwörter werden aneinandergereiht und die Aufmerksamkeit auf die Werbebotschaft gelenkt.
Beim heutigen dahin schmelzen in der S-Bahn brannte sich „Gute Geschäfte!“ – „Einkaufsbahnhof“ in mein lichtdurchtränktes Auge.
Wirre Information sagte die Hirnzelle, die eigentlich mit lesen beschäftigt war. Jupp, meinte das Auge und konzentrierte sich wieder auf die Buchstaben im Krimi
„Einkaufsbahnhof“, „Einkaufsbahnhof“ plapperte die Hirnzelle im Bus, weil ich da nicht lesen kann, sonst will mein Frühstück vorne sitzen.

Ich hab diese Information einfach mal nachgeschlagen und es ergab sich fast ein Sinn. Zum Beispiel hat der Berliner Hauptbahnhof eine eigene Internetseite (Der Hecht, der!)
Dabei wäre ein verbessertes Ausweisen der Wege und Bahnsteige im richtigen Leben auf dem Bahnhof wichtiger, aber so kann ich mir den Lageplan ausdrucken – also wenn ich meine Bahnfahrt noch perfekter planen möchte (Zeitplan, Lageplan, Essensplan, Pullerplan, Evakuierungsplan, Fünfjahresplan).

Auf der Bahnhofsseite erschließt sich jedenfalls das Wort „Einkaufsbahnhof“ oder doch lieber „Erlebnispark Bahnhof“?
Eine Vielzahl von Geschäften, Frisöre, nen Hertha Fanshop *igitt*, Fressbuden und siehe da Fahrkartenhäuschen tummeln sich auf den tausend Ebenen des größten und modernsten Kreuzungsbahnhof Europas.

WOW – ich dachte Bahnhöfe wären zum Verreisen, Anschaffen, Dealen und Heulen da. Nein, jetzt sind sie Erlebnisgebiete, wo einem alles geboten wird. Ich werde also meinen Plan verwerfen und nicht bei IKEA einziehen, ich ziehe auf den Hauptbahnhof und werde umsorgt.
UPS, gibt es die Bahnhofsmission eigentlich noch? Am ZOO haben sie diese wichtige soziale Einrichtung abgeschafft. Die war wohl nicht Erlebnis und Spaß tauglich.

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