Mascha Kaléko – Twitter – Gebrauchsdichtung

Beim Durchstöbern meines Bücherschrankes fiel mir seid langem wieder ein Buch von Mascha Kaléko in die lesehungrigen Hände. In den 30er Jahren wurde sie für ihren sachlichen, ironischen, zu Teilen lakonischen und direkten Poesiestil gefeiert. Der so Vielen aus dem gebeutelten Großstädterherz sprach und durch ein Augenzwinkern charmant an die eigene Nase fassen ließ.
Beim Lesen des “Lyrischen Stenogrammheftes“ erinnerte ich mich an die Stilblüten, die sich im Twitter finden lassen und die von Menschen, wie LorettaLametta, blogwartdigitalanger, blogfront oder das Weltprojekt gezwitschert werden.
Mascha schrieb in kurzen Zeilen „Es hieß, wir sollten jetzt ins Leben treten. / Ich aber leider trat nur ins Büro.”, was sich auch in den 140 Zeichen des Twitterversum finden würde. Ihre Gebrauchsdichtung und „U-Bahnlyrik“, war populär, las sich in verständlicher Form und beschrieben das Selbsterlebte ihrer Leserschaft. „Großstadtqualm statt Maiendüfte. / Frühling über Groß-Berlin / Süße, wohl bekannte Düfte . . . Stammen höchstens von Benzin.”
Im gleichen Jahr (1933), wie die Schrift erschien und gefeiert wurde, fiel sie dem Flammenmeer der Bücherverbrennung zum Opfer, da Mascha Kaléko jüdischer Abstammung war. Trotz aller politischen Vorbehalte druckte Rowohlt 1935 eine zweite Auflage und auch heute sind ihre Gedichtbände noch zu erwerben. Ein Blick in beide Welten lohnt sich und sind ihre Worte an einigen Stellen “altmodisch”, so treffen sie noch immer in schwarze Herz.
„Letzter Akt. Der Eisenvorhang fällt, / Denn mein Chef hat statt der Sekretäre / Lediglich die Zahlung eingestellt. / Der Beamte auf dem Nachweis meinte, / Dass ich tot fürs Wirtschaftsleben wär.” (Quelle: Das Lyrische Stenogrammheft”)

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