Gestern in den Achtzigern

Der gemeine Friedenauer verlässt selten die Insel der Glückseeligen. In manchen Fällen, wie der Nahrungssuche zum Beispiel, wird er leichtfertig und verkürzt den Arbeitsweg mit einem Abstecher nach Steglitz.
Gewissen Stadtbezirke, nennen wir sie mal Charlottenburg, Steglitz, Zehlendorf, Wilmersdorf – also rund um den Kurfürstendamm und den Funkturm, sind in der guten alten Zeit des eingemauerten Berlin der 80ger stehen geblieben.

Gestern hatten wir wieder so ein Fall an der Kasse vom Kaisers. Da saß die toupierte Blondine mit gigantischen Kreolen in den Ohren und greller Schminke, die sie wirklich nur aus den 80ger gerettet haben konnte und berlinerte fröhlich vor sich hin.

„Ham se ne Kundenkarte?“
Nein!
„Wolln se ne Broschüre? – Nee, wa – hab ick mir gleich jedacht.“
Öhm, ja – ich möchte keine.
„Lassen se mich raten, Herzen sammelne se och nich.“
Nein danke, ich bin so ganz glücklich.“
„Glücklich, na denn dann – allet Klärchen wa?“

Tief beeindruckt stopfte ich die Beute zum Erhalt der Nahrungskette in meinen Rucksack und amüsierte mich noch die drei Stationen bis Bundesplatz über den rauen Charme der Kassiererin.
Und ich meine, „ick bin in Berlin jeboren – ick wees, wie man dit spricht!“

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